Evangelisch-Lutherische Kirche Zwönitz

Predigt zu Matthäus 16,24 von Pfarrer Pangert zu Karfreitag (10.4.20):

Zum Hören:

In der Not sind wir alle gleich. Bei all meinen eigenen Erfahrungen und Betrachtungen von Not hätte ich diesen Satz nicht unbedingt immer unterschreiben können. Unterschiede im Sinn von Ungleichheit und Ungerechtigkeit entstehen in manchen Nöten. Doch mit dieser Predigt will ich uns schon vor Augen führen, wie tröstlich die Erfahrung von Gleichheit in der Not sein kann, um dann letztendlich doch festzustellen, dass es Karfreitag einen Unterschied gibt, weil Nöte nicht immer vergleichbar sind.

Nach Tagen der Ausgangsbeschränkungen, der Anteilnahme am Leid der anderen oder der eigenen Leiderfahrung, der Existenzängste und vielerlei Sorgen, die einfach nur schrecklich sind, beobachte ich einiges, was mir Mut macht und zutiefst menschlich ist. Es ist, was dieser Satz zusammenfasst: In der Not sind wir alle gleich.

Ich will es auf zwei Beobachtungen bringen. Zum einen ist es die medizinische Versorgung. In den letzten Jahren hat sich bei uns eine medizinische Zweiklassengesellschaft herausgebildet. Die gibt es immer noch und wird es vermutlich in zukünftig besseren Zeiten wieder deutlicher geben. Aber zur Zeit ist die Frage nach der Art der Krankenversicherung doch zweitrangiger, sodass eine medizinische Gleichstellung auf dem Hintergrund der tiefen Not zumindest in Deutschland für mich schon etwas menschlich Tröstendes hat.

Das zweite ist die Art der Einschränkungen in unserer Situation. Auch hier sind wir alle gleich. Bei mir läuft derzeit der Fernseher oder der Computer auch mehr als sonst. Da sehe ich mitunter berühmte Größen hinter ihrer Webcam oder künstlerisch kreative Leute, die genauso unaufgeräumt in ihrer Wohnung sitzen und nicht raus dürfen. Das sieht so aus, als haben die ähnliche Gedanken und Gefühle. Da hilft es auch nicht, wenn sie aus goldenen Tassen trinken oder technisch auf einem ganz anderen Niveau ausgestattet sind. Ich finde es auch gut, dass die „besonderen“ Menschen das oft nicht zeigen, falls sie so etwas überhaupt haben. Denn wir sind alle gleich. Zumindest in diesen Tagen. Wir sind vor diesem Virus alle gleich. Alle sind wir gefährdet. Alle sind wir Gefahr für andere. Mit viel Geld oder Macht wehrt niemand persönlich das Virus ab.

Wenn ich nun auf Jesus und seine Jünger zu sprechen komme, gibt es auch diese Gleichheit. Die Bibel nennt das Verhältnis zwischen Jesus und seinen Jüngern Nachfolge. Jesus lud ohne große Vorzeichen Menschen ein, ihm nachzufolgen. Jeder Jünger hatte, solange er Jesus nachfolgte, nichts. Der Beruf spielte beim Jesus nachfolgen in der Gruppe dann keine Rolle mehr. Das Geld ebenso wenig. Und die vorher erreichten Leistungen interessierten niemanden. Mit diesen Voraussetzungen waren sie alle gleich. In Matthäus 16,24 sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Dieses Verleugnen will ich heute mal nur kurz so auslegen, dass es bedeutet, mich mit all dem zurückzunehmen, von dem ich gerade beschrieben habe, dass es keine Rolle spielt, wenn ich Jesus nachfolge. Für uns heute, die wir Jesus nicht sehen können, heißt Nachfolge dann, nicht mich selbst mit meinem Namen, meinem Besitz, meinen Errungenschaften und meinen Willen an die erste Stelle zu setzen, sondern den Willen Jesu, wie ich ihn heute verstehen kann. In dem sind Christen, die sich heute als Nachfolger Jesu verstehen, auch völlig gleich. Aber Matthäus 16,24 hat eben noch diesen Zusatz: „Will mir jemand nachfolgen, der nehme sein Kreuz auf sich.“ Und auf diesen Nebensatz wollte ich in dieser Karwoche besonders hinweisen. Theologen nennen das die Kreuzesnachfolge. Das ist die verschärfte Form der Nachfolge, wobei Jesus nicht sagt, dass Nachfolge ohne Bereitschaft zur Kreuzesnachfolge überhaupt geht. Die Jünger Jesu haben diesen Gedanken der Kreuzesnachfolge bis Ostern damals gern ausgeblendet, obwohl sie Gründonnerstag mal schnell behauptet haben, dass sie für Jesus sterben würden. Einen Tag später bei der Hinrichtung Jesu waren die Jünger Jesu weg. Wir Christen blenden die Kreuzesnachfolge auch gern heute aus. Warum soll ich heute noch leiden und sterben für Jesus, wenn er schon für mich gestorben ist? Das stimmt. Und das ist der Unterschied, den ich eingangs schon angedeutet habe. Was Jesus bis Karfreitag auf sich genommen hat, konnte nur er durchleiden. Da sind wir in der Not trotz mitunter ähnlichen Schmerzen und Erfahrungen ihm nicht gleich. Christen sagen: Er war ohne Sünde. Er war anders als wir. Ein „normales Sterben“ wäre vermutlich nicht möglich gewesen. Das bedeutet ganz viel, eben auch, dass er ohne Fehler, ohne Eigennutz, ohne Lieblosigkeit war. Eben nicht wie ich. Er war im falschen Film, könnte man sagen. Aber es war nicht der falsche Film. Er tat das aus Liebe zu mir, um eine Beziehung aufzubauen, die es schon längst nicht mehr so richtig gab, zwischen seinem Vater im Himmel und mir. In dieser Not Jesu werden wir ihm nicht gleich, weil er anders war als ich. Und doch bin ich eingeladen, ihm auch darin nachzufolgen: in seiner Liebe zu den Ungeliebten, die in den Augen anderer keine Liebe verdient haben, und in dem Suchen nach Wegen, mich mit den Nöten von Menschen mit dem Ziel zu verbinden, ihnen Wege heraus zu zeigen oder sie zumindest nicht allein zu lassen. Manchmal bin ich dann auch der, der das Unrecht laut ausspricht im Sinn von Protest gegen die Zustände. Oder ich bin jemand, der zeigt, dass ich da bin und den anderen nicht allein lasse.

Das ist Kreuzesnachfolge mit dem Versuch, mich mit der Liebe Gottes für den anderen und seine Nöte einzusetzen. Und das geschieht mit der Gefahr, bei diesem Versuch auch selbst Leid zu erfahren oder gar zu sterben. Dann mache ich mich eins mit der Not der anderen und es gilt wieder: In der Not sind wir alle gleich.

Ich schließe mit einem Gebet von Adam Thebesius, das ich diese Woche gefunden habe: O hilf, dass wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen. Hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron, wenn‘s kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.

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Samstag, 11. April 2020

Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Jeremia 14,7

Angeklagt zu werden ist bitter. Da schwingt immer noch mit, dass unklar ist, wie ausgeht. Manche Anklage ist völlig unberechtigt. Anklagen können in ihrem Schweregrad auch überbewertet werden. Hier steht aber nicht Anklage, sondern hier wird jemand verklagt und das absolut zu recht. Gesteigert wird das noch, wenn es so klingt, als ob die schlimmen Taten schon weitem rufen und das Geräusch hört nicht auf. Das ist schrecklich. Da hilft nichts mehr. Oder? Menschlich gesehen ist da scheinbar kein Weg der Rettung mehr. Warum Gott jetzt helfen soll, ist nicht ganz einsichtig. Und doch versucht es diese Bitte. Wir sollten nie aufhören, in ausweglosen Situationen Gott zu bitten. Und wir sollten es auch denen erlauben, die an uns schuldig geworden sind.

 

Donnerstag, 9. April 2020

Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Manche Christen fragen in diesen schwierigen Tagen, ob jetzt die „Endzeit“ begonnen hat. Die Endzeit ist eine schwierige Zeit, in der die Probleme vielfältiger Weise immer akuter werden, bis Gott selbst kommt und sichtbar von seinem Thron her diese Erde regiert. Manche vergleichen es mit einer Geburt, bei der es für die Schwangere immer bedrohlicher wird, bis sie das Kind gebiert. Es haben schon seit Jahrhunderten Menschen behauptet, dass bei ihnen die Endzeit begonnen hat. Ich würde da nicht unbedingt dagegen reden. Aber ich mahne auch zur Vorsicht in dieser Frage. Unsere Losung schreibt in jedem Fall als kleiner Ausschnitt über die Endzeit und ist erstaunlicherweise formuliert, als Jesus noch lange nicht geboren war. Hier wird beschrieben, dass die Menschen auf ihre Fragen und Entwicklungen keine Antwort mehr finden. Gemeinsam und miteinander fangen sie ehrlich an, nach Gott zu fragen und zu suchen. Schon bei dieser Suche verändern sie sich und die Menschen um sie herum. Sie finden in der Tiefe Gott. Das ist ein beschwerlicher Weg, der immer mehr zur Freude wird. Ich denke, dass das auch unser Weg in dieser besonderen Zeit sein kann. Ob das dann schon die Endzeit ist, scheint mir am Ende nicht so wichtig.

 

Mittwoch, 8. April 2020

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Psalm 51,14

Wer hat schon mal eine Einwilligungserklärung abgegeben? Ich ahne, wie als Gegenfrage kommt, was denn bitte eine Einwilligungserklärung ist. So was gab es in Zeiten der Demokratie und der Bürokratie in bestimmten Bereichen schon länger. Aber in Zeiten des modernen Datenschutzes gibt es einige Neukreationen, beim Zahnarzt, beim Notar, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Und eben auch bei der Kirche. Die haben z.B. tunlichst darauf zu achten, wie und ob sie die Namen ihrer Konfirmanden veröffentlichen. Das geht dann nur einzeln bei der Anmeldung aufgelistet mit schriftlicher Einwilligungserklärung. Und nicht alle willigen ein. Doch was sind generell die Gründe für ein Nicht-Einwilligen? Manche verzichten auf eine Einwilligung, wenn sie keine Vorteile für sich sehen. Einige sind einfach nur vorsichtig. Wieder andere finden es einfach nur aufwendig, eine Einwilligung für etwas zu geben und sich damit entscheiden zu müssen. Gerade Männer, die sich nicht um alles einen Kopf machen wollen, verzichten dann lieber. Was bei der Bürokratie unserer Zeit noch nachvollziehbar ist, kann als Lebensphilosophie schädlich sein. Diese Passivität oder Unentschiedenheit versperren gelegentlich Wege, die Gott mit mir gehen möchte. Wenn ich weiß, dass ich eher so ein Unwilliger bin, kann ich Gott bitten, mich mit einem willigen Geist auszurüsten. Damit geschieht, was Gott will. Für mich und für andere.

 

Dienstag, 7. April 2020

Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst. Zefanja 3,15

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir manchmal heutzutage schon zu sehr aufgeklärt sind. Ich möchte die Zeit jetzt nicht zurückdrehen. Aber im Blick auf die heutige Losung erschließt sich uns Aufgeklärten die Botschaft schlecht, wenn wir sie nicht so hören, wie es damals das Volk Israel verstanden haben müsste. Die Leute damals hatten eine klare Erwartung, ob Gott bei ihnen ist oder nicht. Das war für Israel dann nicht nur eine Vermutung, denn es gab einen besonderem Ort für Gott und es gab regelmäßige Veranstaltungen, in deren Verlauf Gott neu zum Einzug in das Heiligtum eingeladen wurde. Nun haben wir in Europa keinen Tempel für den König Israels und zu Gottes auserwählten Volk gehören die wenigsten von uns. Dennoch dürfen auch wir im Namen Jesu beieinander sein und darauf vertrauen, dass Gott mitten unter uns ist, wie Jesus uns verheißen hat. Das gelingt auch, wenn die Zahl derer, die ganz praktisch im Namen Jesu beieinander sind, derzeit nur wenige sein dürfen, oder man sich per Telefon oder anderer Medien trifft. Lade andere dazu ein oder lass dich einladen. Der HERR ist dann bei dir, lese ich bei Zefanja. Und weiter steht in dieser Losung, dass es ein Mittel ist, das Unheil nicht zu fürchten, das so gegenwärtig sich zeigt.

 

Montag, 6. April 2020

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. Hosea 8,12

Gebote aufschreiben! Wer macht denn so was? Also, unsere Gemeindepädagogen der letzten Jahre hatten gelegentlich an der Wand eine handgeschriebene Liste mit Geboten für den Unterricht. Ich habe mich nie getraut zu fragen, wie diese Gebote aufgestellt wurden und worin ihr Sinn besteht. Ich bin ja nur ein Schmalspurpädagoge für manche Gelegenheiten. Aber das wäre ein Beispiele für Gebote aufschreiben. Ich hoffe nur, dass die Kinder das dann nicht für eine fremde Lehre gehalten haben. Die Worte des Hosea zeugen von einem gewissen Frust, dass gute Mühe sich nicht so richtig auszahlt. Ich bin überzeugt, dass er nicht aufgibt und sich weiter bemühen will. Vermutlich erwartet das Gott von ihm. Auch wir sollten nicht aufhören von dem zu sprechen und mitzuteilen, was Gott uns an Ordnungen und Werten geschenkt hat. Und vor allem sollten wir nicht nur aufschreiben und davon reden, sondern wir sollten es persönlich leben. Gerade im Moment gibt es da so einiges, bei dem wir uns nicht nur aufregen sollten, sondern es selbst lebendig umsetzen können. Das muss gar nicht immer typisch christlich sein, sondern aktuell oft ganz menschlich als Akt der Nächstenliebe.

 

Samstag, 4. April 2020

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. Psalm 115,2.3

Es ist schon merkwürdig, dass Menschen mit dem Thema „Gott“ anfangen, wenn es kritisch wird. Manchmal sind das bös gemeinte Provokationen. Doch mitunter sind es ehrliche und existenzielle Fragen. Das zu unterscheiden, ist nicht immer eindeutig. Auch bei dieser Losung heute ist das nicht ganz klar. Die gläubigen Beter von Psalm 115 wollen dieser unangenehmen Fragestellung schon von weitem aus dem Weg gehen. Vermutlich haben sie diese Frage schon zu oft gehört. Manchen Eltern geht es im Fragealter ihrer Kinder auch so. Dann ist es gut, eine wohlformulierte Antwort zu haben. Manchmal müssen Eltern diese Antwort immer wieder geben. So ist es für den Gläubigen gut, wenn er Antworten kennt. Diese Antworten stammen von Menschen, die mehr Erfahrungen gesammelt haben. Und doch möchte ich bei solchen Fragen eine Offenheit behalten. Zum einen sind Situationen für Betroffene gelegentlich so schwierig, dass ich sie nicht mit glatten Antworten erschlagen und abwehren muss. Zum anderen darf ich auch Gott nicht zu sehr festlegen, wie es unsere Losung mit der Freiheit seines Willen beschreibt.

 

Freitag, 3. April 2020

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.
Psalm 89,16

Als Zwönitzer heute über das Jauchzen zu schreiben, ist ein schwieriges Ding. Ich bin immer für jede Form des Jauchzen - sogar im normalen Gottesdienst, aber manchmal bleibt es einem auch im Halse stecken. Natürlich gibt es immer Gründe zum Jauchzen. Der Psalmbeter konnte jauchzen, weil es scheinbar dem Volk gut ging. Das sehe ich aber aktuell in meiner Stadt nicht so richtig. Vielleicht gibt es andere Städte, denen es derzeit etwas besser geht. Sicher. Aber ich will es nicht so einfach deuten, dass die Losung heute nur für andere bestimmt sein könnte. Wenn ich mir den Psalm genauer anschaue, wird hier die Großartigkeit und Stärke Gottes ausführlich beschrieben und gepriesen. Daran will ich nicht zweifeln, auch wenn es mir heute eher verborgen ist. Der Psalmbeter redet vom Licht. Ich weiß, dass es nachts immer noch die Sonne gibt, selbst wenn der Mond als kleiner Hinweis auf das Licht der Sonne nicht auffindbar ist. Und ich glaube, dass ich die Verheißung habe, in seinem Licht zu wandeln. Nicht erst dann wird wieder kräftig gejauchzt.

 

Donnerstag, 2. April 2020

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.
Psalm 71,17

Was waren die besten Lehrer in meinem Leben? Oder besser gefragt: Was war besonders an einem Lehrer, den ich in positiver Erinnerung habe? Mir fallen da zuerst Lehrer ein, die sich auf mich und meine Besonderheiten eingelassen haben. Dann kommen die, deren Bewertung ich nachvollziehen konnte. Und dann sind da die, die es fachlich einfach drauf hatten und mir in Sachfragen immer mindestens eine Nase voraus waren, ohne dass sie die Nase zu hoch trugen. Wenn in diesen Tagen Eltern zu Hause ihren Kindern beim Schulstoff helfen müssen, will ich denen als Gelegenheitslehrer sagen, dass das Fachwissen nicht immer das einzig Entscheidende ist. Bei der heutigen Losung ist Gott der Lehrer. Und der Beter von Psalm 71 beschreibt Gott als den entscheidenden Lehrer seiner Jugend. Das Gelernte hat Wurzeln gebildet und der Beter fühlt sich wie ein Baum, an dem Früchte wachsen. Darüber redet er gern. Doch im Leben des Beters von Psalm 71 läuft nicht alles glatt, wie die vielen Bitten vorher zum Ausdruck bringen. Für mich ist es neben der Beschäftigung mit Gottes Wort die Einladung, mich immer wieder in guten bzw. schlechten Zeiten zu fragen, was Gott mir in besonderen Situationen verständlich machen will und ich lernen soll.

 

Mittwoch, 1. April 2020

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19

Viele Viren sind ansteckend. Den Schrecken dabei muss man derzeit niemanden erklären. Jeder Gang in den Einkaufsmarkt führt uns das z.B. vor Augen. Jede Planung für die nächste Zeit ist davon geprägt. Unsere Losung redet auch von der Möglichkeit einer Ansteckung. Aber es ist nicht eine schreckliche Horror-Pandemie und es geht nicht um einen zerstörerischen Krankheitserreger. Es geht um die Freude, die ansteckend ist. Ostern ist nicht mehr weit. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich noch keine genaue Ahnung habe, wie Osterfreude sich 2020 gestaltet. Als Pfarrer bin ich gewohnt, dass ich von der inneren Vorbereitung her immer ein wenig Vorlauf zu meiner Gemeinde habe. Dieses Jahr fehlt mir das. Aber diese Losung ermutigt mich, es Gott zuzutrauen. Er will, dass wir nicht mehr hören die Stimme des Weinens und des Klagens. Wir können uns das nur schenken lassen. Den Grund kann nur er geben. Und dann müssen wir bereit sein, uns anstecken zu lassen.

 

Dienstag, 31. März 2020

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen. Sacharja 6,15

Ferne und Nähe interpretieren wir derzeit ganz anders. Manche, die uns praktisch schon lange nah waren, sind uns jetzt noch viel näher. Andere - mitunter gar nicht weit weg von uns - sind uns unendlich fern oder müssen uns fern bleiben. Wenn unsere Losung von den Fernen spricht, sind es hier Menschen, die durch ein wichtiges Band mit den von Sacharja Angesprochenen verbunden sind. Vermutlich kannten sich die Fernen und Nahen überhaupt nicht. Es ist vor allem mutmachend, dass sie gemeinsam ein göttliches Ziel verfolgen. Und das nicht nur theoretisch als Absichtserklärung, sondern ganz praktisch. Sie werden sich aufmachen. Sie werden selbst kommen. Sie werden bauen - aufbauen. Hand anlegen. Manche werden dann gefragt haben, wo sie gebraucht werden. Andere werden getan haben, was sie besonders gut bringen. Lasst uns zumindest eines von beiden sein, für das, was Gott heute vorhat.

 

Losung vom 30.03.2020:

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? Jeremia 8,4

„Ich bin morgens immer müde“ hat als Lied den Zeitgeist vor allem junger Menschen vor einigen Jahren aufgenommen. Dann kommt noch die Aussage „denn ich stehe ungern auf“. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Heute ist es für einige besonders schlimm, denn die eingesparte Stunde der Sommerzeit steckt ihnen noch in den Knochen. Und ob mancher unserer Schüler nicht doch inzwischen denkt, ich wäre lieber sehr zeitig aufgestanden und in die Schule gegangen, halte ich für möglich. Aufstehen ist im ersten Moment oft nicht lustig. Aber nur so beginnt das Neue. Viele fürchten sich im Moment vor dem, was kommen wird. Und für manches ist leider noch nicht die Zeit des Aufstehens. Es reicht, bereit zum Aufstehen zu sein. Und sich auf den Startschuss vorzubereiten, wenn vieles wieder ganz anders geht. Und sich den Frust nicht mehr einreden zu lassen, als er naturgemäß nun einmal da ist.

 

Losung vom 28.03.2020:

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.    Psalm 147,11

Manche Menschen orientieren ihr ganzes Leben daran, dass sie anderen gefallen. Ich selbst trage z.B. keinen Bart, weil meine Frau und die meisten Älteren in meiner Gemeinde das so besser finden. Ideal ist dann, wenn mein Geschmack mit dem der anderen halbwegs übereinstimmt. Ich finde es eher zufriendenstellend praktisch, dass ich nun schon lange keinen Bart mehr habe. Die Herrenhuter Losung ermutigt uns nun dazu, nicht nur meinen Geschmack zu verwirklichen, sondern mich auch an denen zu orientieren, die es besser wissen oder mir lieb und wert sind. Ich sehe es nicht als eine blinde Unterwürfigkeit, wenn ich Gott gefallen möchte. Ich finde es einen schönen Gedanken, dass ich möglicherweise Gott beeindrucken könnte, wenn ich das eine tue oder das andere lasse. Auf das Fürchten will ich in der aktuell fürchterlichen Zeit nicht eingehen. Aber es ist doch großartig, dass es Gott gefällt, wenn ich ihm Gutes zutraue, vielleicht gerade, weil ich es überhaupt nicht verdienst habe, Das macht mich fähig, auch zu anderen gütig zu sein, die es menschlich gesehen von mir nicht einklagen könnten. Auch das gefällt Gott.

 

Losung vom 27.03.2020:

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.   Jer. 17,9-10

Prüfungen sind für viele etwas sehr Unangenehmes. Sie haben etwas Einmaliges und deswegen kann da auch mal etwas schief gehen, was normalerweise nicht geschehen dürfte. Das macht Druck. Außerdem bin ich mir vorher nicht sicher, ob ich so gut bin, wie andere von mir behaupten oder ich selbst über mich denke. Wenn Gott uns prüft, ist eine Maximalpunktzahl nicht möglich. In dieser Losung wird das auch nicht erwartet. Aber ich denke, es ist immer ein gutes Gefühl, wenn ich weiß, dass ich eine ganze Menge für diese Prüfung getan habe. Entsprechend bewertet uns Gott nicht zuerst nach erreichten Punkten, sondern entsprechend der Vorbereitung. Das nimmt uns Druck. Wir sollten deshalb auch unsere aktuelle Zeit nicht gleich mit einer Prüfungssituation beschreiben. Das ist vor allem denen gegenüber lieblos, die das Ziel nicht mehr sehen. Und ich wünsche allen, die sich seit Wochen auf große Prüfungen vorbereiten, bald befriedigende Antworten, wie es nun weitergeht mit ihren Prüfungen.

 

 Losung Heute: